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Sonntag, 24. September 2023

Was ich vermisse...

Kürzlich habe ich mir überlegt, was mir eigentlich wirklich fehlt aus meinem Leben zuhause. Da fallen mir spontan ein paar Annehmlichkeiten ein. Unsere super Kafimaschine (danke an M & Ch, einmal mehr!) bzw. den Cappu, den sie produziert, der fehlt mir schon ein bissi. Und wenn wir schon bei Maschinen sind - auch die Abwaschmaschine wär mängisch mega gäbig. Eigentlich im Allgemeinen unsere Küche, mit schön viel Platz, um auch mehr als ein Päckli Teigwaren auf Vorrat zu lagern. Oder um mal die Türe zumachen zu können und seine Ruhe zu haben, was hier mit einer kleinen offenen Mini-Eckkücke gar nicht geht. Die fehlt mir.

Aber eigentlich fehlt vor allem ihr mir, ihr, die hier lest und kommentiert und uns manchmal schreibt - danke dafür. Wir freuen uns immer ganz fest imfall, und schätzen den Austausch mit euch sehr. Es ist nämlich schon so: So echte Freundschaften und tiefe Begegnungen, die sind hier noch etwas rar. Es gibt ein paar locker flockige Bekanntschaften aus der Résidence. Zum Beispiel Alexia mit Vicky, ihrer Tochter im Alter von K1. Doof nur, dass sie einen kleinen dicken Hund hat, den wir alle nicht so besonders mögen; dann Cécile und Steve, die mehrere Häuser in der Residenz besitzen und in der Regel abends im Pool anzutreffen sind - sie kennen sich aus punkto Residenz-Klatsch-Tratsch; Julie und Jean, die vor etwa 2 Monaten aus der Metropole angereist sind; er arbeitet als Militärpilot und hat mit seinem letzten Einsatz das Herz unserer Kinder gewonnen (wann kann man schon während 2h zuschauen, wie irgendwelche Gendarmerie im benachbarten Fort abgeholt und am Strand abgeseilt werden - und dann macht er noch ein paar extra Eskapaden über der Residenz, das wär was für dich gewesen, Pilotin M.!); schliesslich Gérald mit seinen Jungs, die er lieber an den Strand mitnimmt, als sie zu lange daheim vor dem TV zu lassen (on comprend!); Leo, der auch abends im Pool höcklet und uns den entscheidenden Tipp für die Blutabnahmeklinik von Sam gegeben hat; Phil, der ehemalige Casino-Chef, der Sam die wildesten Gschichtli erzählt, wenn ich nicht da bin; Christine, die eben EINE WOCHE FERIEN in NORWEGEN verbringt (WTF!?) dann natürlich unser Host, ein Handwerker-Polizist, der unsere Fragen ausführlich und korrekt beantwortet, aber ansonsten eher distanziert bleibt (dünkt uns), Bibi, der mit seinem kleinen Hamburger-Imbissstand gleich nebenan eh der Held bei den Kindern ist und mir Paracetamol in Brausetablettenform geschenkt hat für Sam (aber wir können trotzdem nicht grad jeden Tag Burger essen ;-) ); Xavier, unser Surflehrer, der uns auch auf die Mangroventour mitgenommen hat und es bei unseren Kindern immer wieder mit Englisch versucht, was eben leider nicht besser klappt als Französisch. Melissa, die wir auf der Mangroventour kennen gelernt haben, und die uns zwischendurch auf Veranstaltungen aufmerksam macht oder grad ein Atelier für uns reserviert (MERCI MERCI!). Dann natürlich Oli, Freddy, Géraldine und ein paar weitere nette Leute von der Uni. Mit Oli teile ich das Büro und er ist aktuell gerade daran, einen Antrag zu stellen, um uns in der CH, bzw. an der PH, besuchen zu können. Eigentlich hat er glaubs einfach phasenweise die Nase voll von den Wasserkürzungen und all den Staus und will mal weg da. Und via Oli viele potentielle Kontakte, fast zu viele! :-). Myla, die sich ab und zu meiner erbarmt und mir mit der Kafimaschine des Institutsleiters einen Café AU LAIT macht. Sams Chorleute, aber dazu bloggt er wohl mal separat, und dann natürlich die Lehrpersonen und Gspändli der Kinder (aber Abmachen tut man hier weniger, und wir hätten jetzt auch kaum Platz indoor....). Also ihr seht, da ist schon noch bitz Luft nach oben vorhanden. Und emotional ist da viel Raum für euch, auch, wenn wir manchmal vielleicht nicht immer sofort schreiben, telefonieren oder Sprachnachrichten schicken mögen, weil wir das grad einfach auch viel tun (und ergo ein bitz zu krass am Handy hängen, sobald wir im WLAN-Bereich sind, scheint mir).

Back on track. Was fehlt mir sonst noch so wirklich? Mein Velo, bzw. Velofahren. Das wird noch ein bisschen hart werden. Die Geige fehlt mir noch überraschend wenig, aber sie ist ja auch in Profihänden. :-) Der Bogen fehlt mir schon mehr (haha, just kidding). Und ernsthaft - grad wärs sowieso zu heiss zum Geige spielen, da wär ich nach 2 Minuten schweissgebadet. Ein bisschen fehlt mir mein Laptop, der ja immer noch in der Reperaturwerkstatt auf sein zweites Leben wartet. A.R.G.H. Ah, und eine Duschbrause, die man aufhängen kann, das wär auch mal wieder nett. Und Wasser direkt ab dem Hahn zu trinken, natürlich.

Aber dafür, dafür kann ich (fast) jeden Tag im Meer baden. Im wunderschönen, etwas zu warmen Meer. Ich sehe bunte Fische, leider etwas zu viele ausgebleichte Korallen, und kann meine Zehen im Sand vergraben. Die salzige Luft einatmen. Manchmal ein paar Wellen reiten. Mir den Wind um den Kopf pusten lassen. Kokosnusseis essen. Oder Schoggiglacé natürlich. Oder sonst irgendwelche Glacés oder leider geilen Desserts, die Sam immer in den Läden findet. Unter Palmen liegen. Die süssesten Mangos kaufen, und das Beste: voll lokal. Die feinsten Melonen (und - jede ist gut, es sind keine Glückstreffer wie manchmal zuhause). Das Zmorgemüesli mit Passionsfrüchten ergänzen. Soo fein! Den tropischen Regenwald einatmen. Über die Farben hier staunen. Mein Französisch erweitern. Endlich mal wenig Stress haben, und Zeit zum Lesen (und Bloggen). Und eben - schwimmen im Meer oder mich einfach treiben lassen. Ich geniesse das jetzt einfach ganz fest, denn das werde ich dann zuhause wieder sehr vermissen! 


Dienstag, 5. September 2023

Ecole II

... wir sind uns bewusst, dass die fleissigen Leser:innen unter euch gern wissen würden, wie das mit der Materialbeschaffung so ablief und wie der erste Schultag für die Kinder war. Entschuldigt, wir sind abends grad einfach ziemlich müde, irgendwie.

Aber zurück zur Liste an besagtem Freitag. Nach der erfolgreich ergatterten Uniform aka bedruckten Shirts stiegen wir ins Auto, fuhren zum grössten Leclerc im Quartier (Spoiler: der beim Bas-du-Fort) und steuerten die Büroutensilien an. Irgendein megaaa netter Typ war dort am Gestelle einräumen - es muss ein Engel gewesen sein. Eigentlich war es nämlich so, dass ich ihm mehr oder weniger die Liste hinstreckte und er uns durch alles hindurchführte (naja, ich glaube, die stylos und crayons haben wir ohne seine Hilfe gefunden). Er zeigte uns das richtige cahier de texte, holte uns zwei ardoises blanches mit 5 feutres veleda, erklärte uns den Unterschied zwischen papier blanc und papier canson blanc, wies uns auf das günstigste équerre rigide transparente inklusive règle non métallique hin, empfahl uns die richtige Packung crayons de couleur de qualité (!) und spazierte am Schluss sogar noch mit uns zu den besten boîtes de mouchoir. Mit dieser Unterstützung waren wir verhältnismässig rasch wieder draussen. Du wirst diesen Text wohl nie lesen, Gestelleinräumtyp, aber das Karma sei mit dir! 

 

Dann kam der erste Schultag - für die Jungs. Besammlung mit K1 um 8:00, mit K2 erst um 10:00. Ich übernahm K1, der Liebste begleitete gemeinsam mit K3 (die übrigens nun doch schon heute Dienstag startete, wohl, weil es von gewissen Eltern einen Aufstand gab) K2. Bei K1 war es so, dass sämtliche Kinder einer Klasse draussen auf dem Schulhof aufgerufen wurden, mitsamt den Eltern und der Lehrperson ins (natürlich unklimatisierte) Klassenzimmer spazierten und dann einfach mal sitzen und warten mussten. Auf den eng zusammengeschobenen Pültli lagen nämlich Formulare, die die Eltern auszufüllen hatten (honestly? Ich hab die Formulare glaubs schon im Januar 2023 ausgefüllt, aber avec plaisir, ich machs gern nochmals). Die Kinder warteten derweil (K1 hatte ja vom Shoppingtrip zwei (!) gut bestückte Etuis und ich per Zufall noch einen Zettel, den ich entbehren konnte, sodass er neben mir immerhin ein wenig zeichnen konnte). Aber ja. Grundsätzlich haben die Kinder zu warten, denn die Eltern gehen jetzt vor, und auch egal, wenn es eine Stunde oder länger dauert. Um ca. 09:00 machte ich mich dann auf den Heimweg, weil ich einen Zoomtermin hatte und wieder in einen WLAN-Bereich musste. Natürlich mit einem schlechten Gewissen im Bauch, K1 einfach so seinem Schicksal zu überlassen, aber ich glaub, für ihn wars okay.

 K2 beschrieb abends seinen Schultag so: 

 "IK WAR HÖITE MAINERSTERSULDAG." 

Dazu malte er einen solchen Smiley: 😐 

Nun ja. Heute gingen sie jedenfalls wieder, hatten irgendwie noch immer keinen Sportunterricht, kennen bisher kein weiteres Kind beim Namen, freuen sich auf die Pausen, weil sie sich da treffen und hoffen auf Sport am Donnerstag. Und ab Donnerstag geht dann auch K3 regelmässig in die maternelle - gemeinsam mit 28 anderen Kindern. Am Freitag bietet die Schule zudem einen Elternabend an - da sind wir gespannt und geben der neuen Situation jetzt einfach mal noch ein bisschen Zeit.

Und von meinem Arbeitsstart hier an der Uni berichte ich euch dann auch noch, promis. 

 

Samstag, 2. September 2023

Ecole I

Einige von euch haben es vielleicht mitbekommen: Wir mussten am Freitag mit unseren drei mühsam errungenen certificats d'inscription auf der Schule vorsprechen. Alle waren wir ein bisschen aufgeregt, was uns da nun erwartet - aber vorerst vergeblich. 

Obschon ich im Vorfeld (am Emailen mit dem Pôle Administratif bin ich seit November 2022, die Kinder mit den offiziellen Formularen eingeschrieben haben wir im Januar 2023, danach gab es immer wieder Emailkontakte, weil noch was fehlte - merci pour ton aide, J.!, und schon in den ersten beiden Wochen waren wir zweimal hier auf dem Pôle Administratif für diese certificats) die Schule extra per Mail (anders ging es nicht) über die neuen 3 Schüler:innen informiert hatte und wir ja eben diese Certificats besassen, wusste niemand von uns. Die nette Direktorin bat uns, in etwa einer Stunde wieder zu kommen, jetzt sei drum grad Lehrer:innenkonferenz. Okay. Atmen.

Wir gingen mal ne Runde Lebensmittel einkaufen - darunter viele länger haltbare, weil uns das empfohlen worden war - en cas de cyclone. 

Danach zurück zur Schule. Die Direktorin nahm sich Zeit für meine Fragen und gab mir eine dieser berühmten Materiallisten ab. Per Zufall erfuhr ich ausserdem, dass die Ecole maternelle für K3 erst am Donnerstag startet (das arme Kind, diese Freude auf Montag, und jetzt das!) und dass die Kinder alle jeweils mittwochs DEN GANZEN TAG frei haben (Bitte was? Gut, erfahren wir das auch mal noch!). 

Weiter erklärte mir die Direktorin, dass wir für die Schuluniformen (bedruckte T-Shirts und blaue Hosen für K3 sowie Hosen aus Jeansstoff für K1 und K2) in genau den einen Laden in Abymes gehen müssten, und zwar am Besten noch vor 16:00, der mache dann zu. Okay. Atmen nicht vergessen.

Wir setzten uns erstmal draussen vor der Schule in den Schatten und transleteten die Wörter von dieser berühmten Materialliste, die wir nicht verstanden (an dieser Stelle ein grosses Dankeschön an die Natelspender:innen unter euch, L, Z und E. Wir sind mega froh darum, obschon die Prepaid-Handyabos hier mega teuer sind).

(Die Schule sieht übrigens wirklich sympa aus, hier ein Eindruck für euch.)

Ich war unsicher, was mit ardoise gemeint war (und ehrlich gesagt auch noch mit diversen anderen Dingen - Kompass? Really?), aber da die Uhr tickte, machten wir uns kurz darauf auf den Weg Richtung Abymes.

Quelle surprise - mit etwa 40 anderen Leuten stellten wir uns in die Schlage vor GENAU diesem einen Geschäft - und warteten. Darin sind wir ja mittlerweile fast Profis. Ich ging dann mal noch zur Bäckerei, ein Zmittag holen, das wir in Ruhe in der Schlange geniessen konnten - und dann waren wir dran. Drinnen so: 

"Quelle taille? Quelle couleur? Quelle école? Combien de fois?"

Zack zack zack. 

Circa 7 Minuten später standen wir wieder draussen - mit 2 pinken T-shirts inkl. Schullogo für K3 für die Ecole maternelle, 2 grünen  T-Shirts mit Logo für K2 für den Cours préparatoire, 2 grünen T-Shirts mit Logo für K1 für den Cours élémentaire 2 und insgesamt 4 roten T-Shirts für den Sportunterricht. Voilà. Kostenpunkt etwa 120.-, inkl. je einer blauen Hose aus Jeansstoff für K1 und K2, bei der wir nicht wissen, ob sie den Erwartungen entspricht.

Atmen nicht vergessen. 

Aber die Materialliste - die hatten wir ja jetzt noch vor uns.

Und ja, das ist ein klassischer Cliffhanger. Happy Sunday!

 

 


Donnerstag, 31. August 2023

Gwada für Anfänger:innen, part three: Menschen und Sprachen

 

Zuerst: Merci für all die lieben Nachrichten und Besserungswünsche. In der Zwischenzeit geht's mir wieder tiptop.

Wann immer möglich, gehe ich in anderen Ländern gern zum Coiffeur. Man spürt da ein bisschen wie die Leute so ticken. Und was auch gut ist, Friseur*innen müssen sich ja Zeit für mich nehmen. Da kann ich sie über das Leben vor Ort ausfragen. Sie können auch nicht einfach abhauen, bevor ich meine paar Wörter gestottert habe. Und natürlich freut sich Simone, wenn ihr Mann wieder anständig rumläuft. Die beiden Jungs hatten auch einen Haarschnitt nötig. Also Termin gebucht um 15:00 mit der obligaten Stunde Wartezeit. Es ist schon spannend, wie rasch bei mir/uns Ungeduld aufkommt. Eine Stunde warten, auf die ich mich nicht eingestellt habe, erfordert viel Selbstkontrolle! Immerhin, die Zeit konnte ich überbrücken mit rätseln, was der Friseur mit seinen Kunden auf kreolisch so plaudert. Und er hat mir dann später noch einige Wörter beigebracht: 

Bonswa                  Bonsoir!                     Guten Abend!

Ka ou fé?               Comment ça va?        Wie geht's?

Méci onpil!            Merci beaucoup!        Vielen Dank!

Pani proplém!        Pas de problème.        Kein Problem!

Mwen enméw        Je t'aime!                    Ich liebe dich!

Kreolisch ist die Alltagssprache. Laut Friseur sehr im Trend. Auch in Kanada würden sie jetzt kreolisch sprechen. Und dann hat er noch ein wenig vom Leben auf der Insel erzählt. Er meinte, das Leben sei gut auf Gwada. Sie hätten ämu alles, was sie zum Leben bräuchten. Die Schweiz gefalle ihm sehr, er habe Familie dort. Die Leute seien sehr angenehm und freundlich, es sei sehr sauber - natürlich! ;o) Und wohin geht man in Urlaub, wenn man bereits im Ferienparadis lebt? Nach Frankreich, in die Schweiz, oder einfach auf eine andere karibische Insel. 

Die Leute sind übrigens meist sehr freundlich. Sie geben gerne Auskunft, freuen sich auch, wenn man fragt und mit ihnen plaudert. Emotional wirken sie im ersten Moment oft etwas distanziert. Für uns ist es manchmal schwer abzuschätzen, wer gerade in welcher Verfassung ist. 

Wenn man mit den Leuten spricht, geht's natürlich wie überall auch ums Wetter. Die Einheimischen beklagen sich ebenfalls, dass es im Moment sehr heiss ist. So ab Mitte Oktober soll es dann etwas kühler werden - wir sind gespannt. Der Atlantik ist ja rekordverdächtig warm, was leider Zyklone begünstigt. Wir haben uns mal vorsichtig informiert, was man denn so tun müsste, falls... Drückt uns die Daumen, dass wir da gut durch die Saison kommen. 

 


 

Uud zum Schluss noch ganz was anderes. Tiere sind allgegenwärtig. Krabben und Leguane sind schon durch unseren Garten spaziert, Kolibris vorbeigeflogen. Dann gibt's noch den schwarzen, grossen Käfer in der Küchenschublade, der sich rasch irgendwo hinter den Küchenschränken versteckt, wenn er überrascht wird. Und Hühner und Hähne spazieren ebenfalls gern herum. Ob am Strand, auf dem Flughafenparkplatz, im Garten, mitten in der Stadt - sie geniessen wohl ihr freies Leben. Die Mücken lassen wir jetzt mal aus, die haben schon genug Raum bekommen. 





Sonntag, 27. August 2023

Krankheiten und aussergewöhnliche (Tages-)ausflüge

Simone hat ja bereits gespoilert. Dengue. Natürlich wussten wir, dass man auf Gwada mit tropischen Krankheiten rechnen muss. Darüber gelesen hat man natürlich auch mal was. Aber irgendwie ist es dann doch eher so ein entfernter Gedanke, wenn man sich trotz der Hitze des Abends lange Sachen anzieht, sich die Füsse mit Antibrumm einsprüht oder sich für die Nacht unter's Mückennetz verzieht. Und dann plötzlich am Samstagabend ein Schwindelgefühl. Das ganze ist einer Grippe nicht unähnlich. Nun, eine Woche später ist zum Glück ausser etwas Müdigkeit und etwas Verdauungsschwierigkeiten nicht viel geblieben. Ah ja und etwas muskelkater-ähnlicher Schmerz in den Waden und Unterarmen (darum offensichtlich auch der Name "Knochenbrecher-Fieber"). Aber viel spannender, als alle Symptome aufzuzählen, ist, was ich durch die Erkrankung über Guadeloupe herausgefunden habe.

1. Die Menschen hier sind sehr hilfsbereit. Wenn man ihnen von Schwierigkeiten erzählt, sind sie sehr mitfühlend und bieten gerne Tipps und Hilfe an. Simone hat vom Strassengrill-Meister magenverträgliche Medis nach Hause gebracht, ein Angebot eines älteren Ehepaars am Strand für einen Kinder-Hütedienst erhalten, wurde aufgefordert Orangen zu kaufen für die Vitaminzufuhr, usw. Wie ernst zu nehmen eine Dengueerkrankung denn ist, darüber sind sich dann die Leute schon weniger einig. Für viele ist es wohl halt einfach eine Erkrankung die zum Leben auf der Insel dazugehört. Kann passieren, geht vorbei. Die Einheimischen nehmen es ämu nicht so genau mit dem Mückenschutz. Lange Kleider trägt hier jemand höchstens um die modischen Jeans zu präsentieren oder mit dem Trainingsanzug sportlich auszusehen.  Ein guter Tipp kam vom Nachbar: einen Bluttest machen.

2. Das Gesundheitssystem ist sehr unübersichtlich und sehr unterschiedlich in der Qualität. Zum Bluttest kam ich rasch. Ein paar Minuten mit dem Auto von hier gibt es die Clinique Choisy. Ich also hin, Formalitäten geregelt, Geld bezahlt. Eine halbe Stunde später nahm eine Pflegende schwubdiwupp souverän das Blut. Und am Abend war das Ergebnis per Mail schon da. Zum Arzt kann man dort mit dem Ergebnis allerdings nicht. Eine Sprechstunde gibt es beim Flughafen.

3. Die Menschen hier sind sehr geduldig. Da wir uns mit der Diagnose nicht so ganz sicher fühlten und wir dachten, es sei gut mal noch einen einhemischen Arzt zu fragen, hab ich mich tags darauf auf den Weg zum Flughafen gemacht - mit Wasser und einer Banane in der Tasche. Man weiss ja nie, ob es länger dauert... Erster Challenge, den Flughafen überhaupt zu finden. Kann ja nicht so schwer sein... Strassenschilder sind leider eher Glücksache. Aber immerhin, irgendwie kam ich auf Umwegen zum Flughafen. Und dann der erste Augenschein des Ärztezentrums. Ein offener, 30m langer und 3 Meter breiter Gang mit Wartestühlen. Vielen Wartestühlen, wirklich, wirklich vielen Stühlen. Natürlich praktisch alle Stühle besetzt, sogar am Eingang standen Leute und starrten den Gang hinunter. Den ersten Schock überwunden, zog ich ein Zetteli mit der Wartenummer 48. Die Leute hier sind wie erwähnt sehr geduldig. Ob jung, ob alt, ob mit oder ohne Kind, alle warteteten ruhig, ja schicksalsergeben, manchmal flüsternd, mal laut telefonierend. Und nach 3h kommt der entscheidende Moment. Verpass ihn bloss nicht. Wenn du gerade auf der Toilette bist oder dir etwas zu essen holst (weil so eine Banane reicht jetzt auch nicht ewig), dann ist deine Zahl durch. Hab ich natürlich nicht. Ich wurde registriert und vermessen. Dann durfte ich im Gang vorrücken und warten bis zum Termin bei der Ärzt*in. Geht halt nochmal ein Stündchen, zwei, gell. Immerhin, zuletzt hatte ich meine Fragen geklärt und 50 Euro weniger. Ein Schnäppchen für ein ganzes Tageserlebnis, oder?

Mittwoch, 23. August 2023

Dengue

Ihr habt es an der verhältnismässig langen Funkstille gemerkt: Wir hatten grad andere Sorgen. 3 Wochen da und Sam hat sich mit Dengue angesteckt. Er kämpft noch mit Schwindel, etwas Durchfall, Muskelschmerzen und Müdigkeit - und wird hoffentlich bald selbst von seinen Erlebnissen im centre médical und im laboratoire berichten mögen. Stay tuned!

(Und ich bin gerade einfach nur unendlich froh und dankbar, dass er auf dem aufsteigenden Ast ist.)


Samstag, 19. August 2023

Von Friedhöfen, Schulen und Spielplätzen

 Gerne teile ich mein Notizbuch der letzten Tage mit euch: 


* A propos sakrale Baukunst: Die Friedhöfe, die wir bisher gesichtet haben, sehen ungefähr so aus: 

 


Wenig grün, viel Stein, was sicher den tropischen Temperaturen geschuldet ist. Und trotzdem strahlen die Friedhöfe eine magische Ruhe aus...


* Die Kinder wünschten sich gern mal wieder einen Spielplatz. Aber, comment dire? Unsere nicht signifikante Spielplatzstudie ergibt bisher folgende Resultate:

Der Spielplatz in Port-Louis (ja, für dich, L) sieht so aus:



Pluspunkte: Im Schatten. 

Minuspunkte: Naja, where to start? 


Der Spielplatz in der Nähe unseres Wohnortes sieht - by night - so aus: 



Pluspunkte: Abends beleuchtet. 

Minuspunkte: Naja, where to start?


Aber - die Kinder waren superhappy mit beiden Spielplätzen. Und wir entsprechend auch. 


* Wir sind stolze Besiter:innen von 3 (!) certificats d'inscription scolaires. Anfang September müssen wir vorbei, dann gibts die Materialliste pour la rentrée (wir haben ein wenig Schiss, welche Ausgaben da auf uns zukommen und wo man all das Material beschafft, da wir immer wieder gestresste Erziehungsberechtigte mit solchen Listen durch die Einkaufstempel schlendern (nein, nicht hetzen!) sehen) und wohl die Schuluniform(en). We keep you posted. 


* Leider hat mein Macbook den Geist aufgegeben. Heuli. Von einem Tag auf den anderen machte die Tastatur keinen Wank mehr. Falls jemensch das Problem ebenfalls kennt - immer her mit den Tipps. Danke. Der lokale Customer Service kümmert sich jetzt, und sonst gibts einen neuen. Die Frage ist nur, wie lange das alles dauert. Weil:


* Die Uni beginnt hier auch erst im September, aber ich hätte ziemlich zu tun für meinen Arbeitgeber zuhause. Mal schauen, wie oft ich meinem Liebsten den Compi abläscherlen kann und was mit fehlender Software alles geht (no Maxqda, liebe Gspändlis). 


* Und zu guter Letzt: Unsere kulinarische Suche fand heute Abend ein vorläufiges Ende im Restaurant Ti Maki: 



May I present: Poisson local, lentilles, purée de pommes de terre, riz. Nicht auf dem Bild: Ein wahnsinnig leckerer schaumiger Cocktail.

 

In diesem Sinne: Schönen Sonntag, ihr Lieben.

Donnerstag, 10. August 2023

Gwada für Anfänger*innen, part one: Cool down!

An die Hitze und die Feuchtigkeit kann man sich tatsächlich etwas gewöhnen - wenigstens am Tag. Irgendein Strand in der Nähe lässt sich immer finden, und auch wenn das Wasser sehr warm ist, gibt es so etwas Abkühlung. Wenn dann noch eine leichte Brise weht, reicht es sogar für etwas Hühnerhaut. In der Nacht allerdings ist es nicht so einfach. Die Häuser hier haben wohl keine Dämmung (warum sollten sie auch...). Wenn am Tag die Sonne - welche im Moment am Mittag fast senkrecht steht - auf das Dach draufbrennt, dann ist es abends oben in den Schlafzimmern wie im Backofen. Alles Lüften, alle Ventilatoren, alles kalt Abduschen nützt nichts, nach kurzer Zeit badest du im Bett schon im eigenen Schweiss (schöne Vorstellung, gell! :o). Jetzt lassen wir nachts etwas die Klimaanlage laufen und ich sage euch, Klimanlagen sind eine gute Erfindung, wirklich!

Apropos Hitze und Abkühlung und so. Heute haben wir ein Highlight von Gwada besucht, den 1425m hohen aktiven Vulkan "La soufrière". Durch den wunderschönen tropischen Regenwald und feuchten Bergwald ging es steil hoch. Da oben herrschten dann rauhe Bedingungen. Feuchtkalter Nebel kombiniert mit starken Böen (offensichtlich gibt es da oben nur sehr selten keine Wolken). Endlich konnten wir mal wieder eine Regenjacke nutzen. Die Abkühlung haben wir genossen.


 

Und was macht man, wenn man nach dem Wandern müde und spät dran ist? Natürlich, man geht fein Essen, damit man nachher sicher nicht noch selber kochen und abwaschen muss. Irgendwie suchen wir bezüglich Restaurants noch unser Glück. In den Städtchen am Meer, wo wir eigenlich Gaststätten erwarten würden, herrscht oft tote Hose. Viele Restaurants sehen nicht so gemütlich aus, liegen an viel befahrenen Strassen oder sind meistens zu. Bevor es also heute Abend bei den Kindern zu einer Revolution kam, haben wir bei einem KFC halt gemacht. Ich glaube da müssen wir uns mal auf dem Touribüro beraten lassen - kulinarisch kann es so nicht weitergehen.

Es gibt sie hier auch, die grossen Einkaufzentren alias Konsumtempel der Hölle, wie man sie auch nennen könnte. Wir mussten Passfotos der Kinder für die Schulanmeldung machen. Also mussten wir wohl oder übel da hin. Eigentlich will man da aber nur ganz schnell wieder raus. Scheinbar lieben es die Menschen auf Gwada, den Samstagabend in einem solchen Zentrum zu verbringen - Klimaanlage halt ;o). Ein Besuch ist jedenfalls nichts für Sozialphobiker:innen. Wenn die Leute nicht ins Einkaufszentrum gehen, dann sind sie am Strand, hocken stundenlang im Wasser, plaudern und veranstalten Picknicks mit viel Essen (und viele sind am Arbeiten, natürlich).

Gleich bei Ankunft machte uns unser Host darauf aufmerksam, dass es jeden dritten Abend für mehrere Stunden einen Unterbruch in der Wasserversorgung gibt. Was doch ein bisschen verwundert, da es vor allem auf der westlichen Insel (eben beim Vulkan) eigentlich täglich regnet. Verantwortlich für die Knappheit ist laut Host, na wer wohl - die Politiker*innen ;o) bzw. die marode Infrastruktur, so dass viel Wasser versickert. Wehe nun, du freust dich vor dem ins Bett gehen noch auf die kühlende Dusche und vergisst, welcher Tag heute ist... Zum Glück war Simone erfinderisch. Bei heftigem tropischen Regen füdliblutt in den Garten zu stehen, ist beinahe noch besser und kühlender als jede konventionelle Dusche.



Montag, 7. August 2023

Leben in der Masoalahalle II

Bestimmt wundert ihr euch, wie es mit der Schulanmeldung gelaufen ist. Spoiler: Im Westen nix Neues. Der Pôle Administratif verwendet neue Formulare, sodass wir freundlicherweise unsere Unterlagen nochmals ein, bzw. nachsenden dürfen. Naja, haben ja sonst nix zu tun, als diese Woche nochmals dort aufzukreuzen. Wir werden sehen - drückt uns den Daumen, dankemercischön! 

 

Ansonsten hier ein paar weitere Schnipsel fürs Notizbuch:

 * Die Velo-Fans unter euch wissen das wohl: Aktuell findet die Tour Cycliste de Guadeloupe auf der Insel statt. Velofahrer:innen haben wir bisher ungefähr 10 gesichtet. Ergo dachten wir, dieses Rennen stosse höchstens marginal auf Interesse. Und was tun die Gwadis am Sonntag? Setzen sich mit Sack und Pack und Sonnenschirmen schon Stunden vorher an die Autostrasse, um die Tour live zu verfolgen. In der grössten Hitze, versteht sich. 

 * Auf solche Warnschilder stossen wir immer wieder. Und hoffen fest, wir werden nie davon Gebrauch machen müssen.



 *  Bei uns ist es üblicherweise kühl bis kalt in sakralen Gebäuden, einverstanden? Und schaut mal, was in der Kirche in Deshaies an den Wänden hängt.


 That's it. Ventilatoren!

* Und hier noch ein Bild, um das Klischee zu bedienen. :) Enjoy!



 

Donnerstag, 3. August 2023

Leben in der Masoalahalle

Und da sind wir nun also, in der grossen Masoalahalle. Zumindest fühlt sich das Leben hier so an. Als wäre man in der Masoalahalle. Man kocht in der Masoalahalle, schläft da, putzt sich die Zähne, isst da, geht von A nach B... Entsprechend langsam sind die Bewegungen. Was mich zu Beginn noch genervt hat (chöi die nid mau chli vorwärts mache?), kann ich nun bereits vollends nachvollziehen. The more you move, the hotter you get, oder so. Ich sag euch, was Sam und ich einander zuzuspielen versuchen: Kochen (echt, vor der heissen Herdplatte zu stehen ist next level!), die Terrasse wischen (muss rasch geschehen, da sonst die Ameisen einfallen, ist also hueren anstrengend und gilt es ergo zu vermeiden), den Rucksack tragen (Heizkörper am Rücken), den Kindern die Zähne putzen (da man sich dafür im Bad aufhalten muss, das a) kein Fenster hat und sich b) unter dem Dach befindet. Unglaublich heiss und feucht (aber merci an Sam, dass du das fast immer übernimmst!). 

Weitere Schnipsel fürs Notizbuch: 

* Es gibt tatsächlich Kokospalmen! Mega viele! So schön! Die Kinder waren alle sehr beeindruckt, als Sam am ersten Strandtag eine Kokosnuss auf einen Stein geworfen und den Saft daraus getrunken hatte. Einige Leser:innen dieses Blogs haben ein exklusiv mündliches Rezept erhalten. :) E Guete wünschen wir! 

* Anfangs war ich etwas enttäucht, weil ich dachte, der Strand, der von unserer Unterkunft easy in 5' erreichbar ist, sei etwas "abgefucked". Die Umgebung ist tatsächlich bissi verwahrlost, allerdings je nach Tageszeit und Wetter (und evtl. Ferienzeit?) dann doch wieder belebter. Schade nur, dass es von "unserem" Strand keine Verbindung zum grossen Gemeindestrand von Le Gosier gibt, wie früher. Die Gründe? Verwahrlosung und grosse, halbfertige Hotelkomplexe, die im Weg stehen. Schade! Denn das warme Meer und der feine feine Sand (zack war er ÜBERALL) sind ein Traum! 

  * Ohne Auto - vergiss es. Gefühlt haben ALLE mindestens ein Auto. Oder zwei. Entsprechend dicht ist zeitweise das Verkehrsaufkommen. Während ich mich (noch) über lange Wartezeiten nerve (gilt auch an der Kasse - sowas wie Self-Desks oder so gibts hier nicht in den Supermärkten, meist sitzt genau eine Person an einer von etwa sechs Kassen (Personalmangel?) und kassiert in aller Seelenruhe ein), habe ich den Eindruck, dass die Einwohnenden von da total entspannt warten. Ich hoffe, es wird bei mir auch bald so. Die Einheimischen nennen es "patienter". 

* Stichwort Mücken. Ich hatte ja im Vorfeld total Stress wegen all diesen Viren (Dengue, Zika, etc.), und wir haben die Kinder unter Mückennetze gepackt zum Schlafen. Aber die Stiche lassen sich irgendwie doch nicht vermeiden. Und den Mücken nachzusetzen ist - anstrengend, genau. Tun wir also nicht allzu oft. Und hoffen einfach, wir holen uns rasch und en passant eine Grundimmunisierung. 

* Morgen haben wir einen Termin auf dem Pôle Administratif für die Schulanmeldung der Kinder. Espérons qu'on ne doit pas patienter trop longtemps - und dass wir vor allem nachher ein wenig Bescheid wissen diesbezüglich.

Dienstag, 1. August 2023

Über den Wolken...

Nach diesem unfreiwilligen Zwischenstopp im schönen Tsüri (keine Masoala-Halle für uns, dafür Spaziergang zum Zürichhorn, Schifflifahren und Landesmuseum) und in einem ruckzuck gebuchten und daher etwas schrägen Hotel am Bellevue (Jugi wär doch gschider gewesen, hätte aber noch früheres Aufstehen am Sonntag Morgen bedeutet), starteten wir also den zweiten Versuch einer Reise nach Guadeloupe. Die Kinder machten super motiviert mit, ich hatte Bauchschmerzen und Durchfall und so Zeugs und hoffte einfach, dass wir würden fliegen können. Spoiler: Die Reise verlief diesmal absolut reibungslos. Hier ein paar Eindrücke und Gedanken von über den Wolken: K1: "Oh, das Büchsli vom Orangesaft da wotti de bhaute. Das chani guet zum Baschtle bruche!" K2: "I cha gar nid gloube, dass mir flüge. - Oje, mir stürze ab! - Anei!" K3: "I ha Huuunger!" (Das griechische Restaurant vom Vorabend in Zürich - Yamas, btw, danke an B für den Tipp - hatte ihr nicht so gepässlet). Und diesmal gabs als Snack im Flieger nach Paris - Pain au tartinade courgette. Genau der Geschmack von K3. Und von K1 und K2. Nicht. Zum Glück hatte Mama Bananen dabei. Und dann im grossen Flugzeug diese Aufregung über einen Bildschirm mit KOPFHÖRER und Kissen bzw. Decke PRO PERSON. Und was, wir dürfen jetzt da einfach etwas auswählen, Mama? (Sam und ich genossen den Bildschirm für uns auch, aber mit schlechtem Gewissen - wie krass, dieser riesige Abfallberg, der von diesem einzigen Flug produziert wurde, und da reden wir ja nicht mal vom Co2-Ausstoss. Obschon wir das alle ja wissen, macht es nochmals einen Unterschied, es so 1:1 zu erleben.) Spoiler 2: K2 und K3 ergaben sich irgendwann nach etwa 2/3 des Fluges und schliefen etwas. Für K1 ordneten wir eine Bildschirmpause an, um etwas zur Ruhe zu kommen. Also er. Wir weniger. Funktionierte sehr bedingt, nach etwa 30' gaben wir auf und man hörte ihn zum dritten Mal über den selben Film (Schlümpfe) glucksend lachen. Er büsste es dann nach der Landung, als er sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte, und K2 und K3 verhältnismässig fit waren und durchhielten, bis wir unsere Autovermietungsperson, dann unser Auto, schliesslich unser Kaff und am Schluss auch unsere Unterkunft inklusive Vermieter fanden. Alles in strömend tropischem Regen. Und jetzt sind wir also angekommen, hier in der grossen Masoala-Halle. Und versuchen, uns einzufinden. Drückt uns den Daumen!

Samstag, 29. Juli 2023

Eine Schweizer Städtereise in 30 Stunden - oder wieso Züri nicht Guadeloupe ist!

Alles fing so gut an. Endlich, endlich hatten wir alles fertig geplant, organisiert, gepackt, geräumt, geputzt. Wir waren nach Basel und an den Flughafen gekommen. Wir sassen schon im Flugzeug, das zur Startbahn rollte. Die Kinder in heller Aufregung und dann - ja dann rollte es nicht weiter, nein, es rollte zurück zum Gate. Dort passierte lange nichts. Im Flugzeug wurde es heisser und heisser, die Leute unruhiger. Kurz bevor dann eine Meuterei ausbrach, wurde das Flugzeug wegen technischer Probleme geräumt, der Flug annuliert. Unser Anschlussflug natürlich weg. Diverse Optionen abgecheckt, durchdiskutiert, verworfen. Daneben die Kinder bei Laune gehalten (wobei es die im Gegensatz zu uns ziemlich locker nahmen). Und dann, ja dann sind wir mit dem Zug nach Zürich gefahren. Weil dort morgen hoffentlich ein Flugzeug bis zur Startbahn rollt und auch fliegt. Klar, Zürich ist schon auch schön. Aber mal ehrlich, das tropische Erlebnis gibt's höchstens in der Masoala-Halle.

Freitag, 21. Juli 2023

Der Countdown läuft!

Und zu so einem Countdown gehört ja dazu, die Kinder vorzubereiten. Also haben wir uns fürs heutige Frühstück das Thema "Währungen" vorgenommen. Ich: "Wüsst dr, Ching, in Guadeloupe zahlt me de mit Euro, wie in Frankriich oder in Italie oder in Dütschland." K1: "U wo zaut me de mit Dollars?" Ich: "I de USA zaut me mit Dollar." K3: "Aber gäu, Mama, hie zWabere zaut me mit Gäud." Genau. Etwa so.

Samstag, 24. Juni 2017

Histoires du Midi IV

Fortsetzung folgt. Lieber spät als gar nie, oder?

Am nächsten Morgen erschien der Dépanneur – und zwar sogar einigermassen pünktlich. Für Mändeler wohl DAS Ferienerlebnis schlechthin – ein blinkendes, hupendes, riesengrosses Gefährt, das nun unser Mietauto auf sich drauf manövrierte.

Auch für die netten alten Päppus in unserem Dörfli war es ein Grossereignis, dem sie gern beiwohnten. Sie schmunzelten auch etwas über unsere Geschichte (was ich ihnen schlecht verübeln konnte). Der eine ältere Herr fragte mich, ob ich denn schon im „bureau des objets trouvés“ gefragt habe, ob die Jacke mit Schlüssel dort nicht aufgetaucht sei.
Ich: „Gibt es denn ein bureau des objets trouvés hier?“ (Natürlich hatten wir den Gedanken auch gehabt, aber...)
Er: „Oui oui, dans la mairie!“
Der Plan war eigentlich, dass sich mein Liebster und der Dépanneur mit abgeschlepptem Mietauto nach Avignon aufmachen würden und mein Liebster dort ein neues Mietauto erhalten würde. Voilà.
Da der Liebste mit dem Dépanneur absorbiert war, packte ich den Mändeler, eilte mit ihm zur Mairie, fragte mich durch, aber natürlich: Keine Jacke, kein Schlüssel.

Es war nicht so, dass ich den Eindruck hatte, dass die Mitarbeitenden auf der Mairie viel zu tun hatten. Au contraire. Aber sie kamen nicht auf die Idee, selbstständig vielleicht noch das „bureau des objets trouvés“ im Nachbardörfli zu kontaktieren, worauf ich jedoch bestand. Die Mitarbeitenden waren zwar nett, aber gleichzeitig offensichtlich genervt über soviel Betriebsamkeit. Leider vermeldete auch das Nachbardörfli negativen Bericht. Da ich ansonsten nicht viel tun konnte und sich mein Liebster nun mit Dépanneur auf dem Weg nach Avignon befand, insistierte ich, doch noch ein weiteres Käffchen anzurufen. Und dann noch eines und noch eines. Und siehe da: Bei Versuch 5 - in Tarascon - waren wir erfolgreich! Die Jacke war mitsamt Europcar-Schlüssel tatsächlich abgegeben worden – und zwar ironischerweise schon am Vorabend.
Aber – hätten sich die Mitarbeitenden des dortigen „bureau des objets trouvés“ bequemt, Europcar vielleicht Bescheid zu geben? Äuä.
Wäre der Schlüssel ohne mein Insistieren gefunden worden? Äuä.
Wäre ich ohne den netten alten Päppu überhaupt in der Mairie gelandet? Äuä.

Es hat übrigens noch gereicht, den Dépanneur zu kontaktieren, der Mann und Mietauto vor dem Bureau des objets trouvés in Tarascon ablieferte. Fünfzehn Minuten später waren beide wieder da. Also, Mann und Auto. Ohne Dépanneur. Dafür mit einem Kratzer am Auto - kleines Souvenir vom Dépanneur. ☺

Quelle histoire!




Sonntag, 7. Mai 2017

Histoires du MIDI III

Weiter gehts mit den Ferienerlebnissen, passend zum heutigen Wahlsonntag in Frankreich.

Wir sind mit dem Zug gen Süden gefahren. In Avignon haben wir dann ein Auto gemietet, um unser airbnb (extrem empfehlenswert, übrigens!), irgendwo in der Pampa zwischen Avignon und Arles, zu erreichen.

Hinter "unserem" Dörfchen befand sich ein kleines Gebirge, die Montagnette. Da waren wir einmal wandern - und wir haben es doch tatsächlich geschafft, eine alte Faserpelzjacke zu verlieren. (Ich gebs zu, ich hab sie verloren.)

Zuerst nahmen wirs easy. Henu, so eine alte Jacke, die finden wir dann auf dem Rückweg e wieder, wer soll die schon nehmen?

Leider war sie auf dem Rückweg nirgendwo aufzufinden. Und kurz, bevor wir wieder vor unserer Unterkunft standen (zum Glück waren wir an dem Tag zu Fuss unterwegs!), fiel meinem Liebsten ein, dass sich der MIETAUTOSCHLÜSSEL im Jackensack der Faserpelzjacke befand. Merde!

Er kehrte um und machte die Wanderung in den frühen Abendstunden nochmals.

Spassig. Für ihn, vor allem.

Die Jacke blieb verschwunden.

Die Autovermietstelle, die ich kontaktierte (kennsch Warteschloufe?), hatte keinen Bericht von einem vermissten Schlüssel zu vermelden.

Merde, encore.

Wir vereinbarten also abends um 21:30 mit der Autovermietstelle (hab ich schon gefragt, ob ihr Warteschlaufen kennt?), dass uns der Pannendienst aka dépanneur am nächsten Morgen zu Hilfe kommen würde. Ich habe bewusst nicht "eilen" geschrieben.

Fortsetzung folgt.

Sonntag, 23. April 2017

Histoires du MIDI II

Ich habe hier ja schon ganz kurz von unseren MIDI-Osterferien erzählt. Und vom gäbigen Parkieren und so.
A propos "gäbig": Schon mal Métro in Marseille gefahren? (Tolle Stadt, übrigens!).
Ich muss ja an der Stelle zugeben: Bei meinen bisherigen Städtereisen habe ich möglicherweise ähnliche Situationen angetroffen wie nun in Marseille. Es ist mir wohl einfach weniger aufgefallen. Ich bin mir aber bewusst, dass andere Personengruppen unserer Gesellschaft viel mehr unter solchen Barrieren leiden als wir. Und deshalb veröffentliche ich diesen Text:

Wir kommen am Bahnhof Saint-Charles an und möchten gern auf die Métro, um unsere airbnb-Unterkunft zu erreichen.
Bei nur 2 Linien ist die richtige Métro flugs gefunden. Pas de problème.

Nur - wir haben einen Buggy dabei. Mit Mändeler drin. Und 2 Koffer. Und ein Tragegestell (zum Wandern) und einen Rucksack. Geht eigentlich für 2 Wochen. Ist nur mühsam, wenn die Métro a) keinen Lift hat und b) nicht durchwegs mit Rolltreppen versehen ist.
Da stehen wir dann zu dritt unten an der Treppe wie die Esel am Berg. Mit zwei älteren Monsieurs, die sich auch mehr schlecht als recht nach oben quälen.
Mit mehrmaligem Laufen kommen wir schon hoch. Ungefähr zeitgleich wie die beiden Herren.

Sie so: "Oh, ça va? On peut vous aider?"
(Ich meine - sie schaffens selbst fast nicht).

Ich: "Non merci, c'est très gentil. Mais vous faites quoi ici, quand vous devenez vieux?"

Sie: "Oh, oh, c'est dur!"

Ich: "En effet!"

Wir verabschieden uns - erst, nachdem wir sie überzeugen können, dass wir die nächste Treppe ohne ihre Hilfe meistern.

Oben an der Treppe dann die nächste Überraschung: Eine Ticketschranke. In etwa so:




Ehm - schon mal probiert, so ein Ding zu passieren, wenn man den Buggy zusammenklappen muss, weil die Schranke zu schmal ist?
Pro Person ein Versuch - mit sämtlichem Gepäck und Mändeler, versteht sich.

Samstag, 22. April 2017

Histoires du MIDI I

Wir waren neulich im wunderschönen MIDI in den Ferien. In Südfrankreich, also.
Fünfeinhalb Zugstunden von zuhause entfernt. Fast die Hälfte der Strecke geht noch durch die Schweiz.
Und trotzdem gelten im MIDI völlig andere Verkehrsregeln als hier. Schon lustig, irgendwie.
Beispiel gefällig?
Hier:



Na? Gesehen?
Das Auto steht zmitts auf dem Fussgängerstreifen. Parkiert.
Gäbig.

Freitag, 25. Juli 2014

Bolivien I

Viele von euch haben sich nett erkundigt, ob wir mit der Hoehe Probleme haetten.
Zum guten Glueck ist dem im Prinzip nicht so. Genau - im Prinzip.

Denn - 2 Probleme bringt die Hoehe alleweil mit sich (und zwar egal, ob in Peru, Bolivien oder wherever).

1. Subir
In Copacabana stiegen wir auf den Cerro Calvario, einen Pilgerberg. Der Aussichtspunkt lag ungefaehr 50m ueber dem Zentrum des Staedtchens. Easy, eigentlich. Aber auf knapp 4000m weit gefehlt - wir schnauften beide wie Walroesser.

Mittlerweile sind wir in "Nuestra Senora de La Paz" - auf 3650m. Immer noch ist es u anstrengend, schon nur ein kleines Stuetzli hochzulaufen. Insofern braeuchten wir also noch viiiiel Akklimatisationszeit.

2. Kaelte
Leider haben viele Hotels und Hostels in Bolivien (und in Peru) keine Heizung. Das mag im Sommer - also waehrend der Regenzeit - kein Problem sein. Im Winter hingegen - also jetzt - ist es eines.
Aber wir haben mittlerweile diverse Strategien ausgekluegelt, um der Kaelte zu trotzen.
Moechten wir uns zum Beispiel ins Pischi stuerzen (in dem Fall bestehend aus:
- Trainerhosen
- dicken Wollsocken
- langen Unterhosen
- T-Shirt
- Pulli
- Faserpelz
- Muetze
- Handschuhe)

laeuft das so ab:

1. Wir putzen die Zaehne (auf Gesichtwaschen oder gar Duschen verzichten wir, kommt das Wasser ja e nur lau aus dem Hahn raus)
2. Wir bueschelen den zusaetzlichen Seidenschlafsack bereit
3. Wir legen saemtliche Kleidungsstuecke der obgenannten Liste bereit (obschon - Muetze und Handschuhe tragen wir schon)
4. Dann kommt der Moment: Man muss die Trekkinghose; die Wanderschuhe; die Wandersocken; das T-Shirt; das langaermelige T-Shirt; den Pulli; die Softshelljacke UND die Muetze bzw. die Handschuhe ausziehen und UNVERZUEGLICH und MOEGLICHST SCHNELL ins "Pischi"
schluepfen - sonst laeuft man Gefahr, elendiglich zu erfrieren.
5. Man kuschelt sich unter die 7 stinkigen Wolldecken und den Seidenschlafsack.

Gute Nacht!

Montag, 21. Juli 2014

Peru II

3 wichtige Dinge gingen im letzten Eintrag vergessen:

1. Peruanische Floetenmusik
Wherever you are, egal ob im Bus, im Auto, in einem Restaurant... fast ueberall wird man von peruanischer Floetenmusik berieselt. Floetenmusik per se waere ja noch halbwegs in Ordnung, aber es muss natuerlich BAMBUSfloetenmusik sein. Ein Gesausel nach dem andern. Im schlimmsten Fall haucht sogar noch ein peruanischer Volksschmusesaenger ein paar Toenli dazu... Fuerchterlich.

2. WC-Papier
Gut. Es gibt genaue Regeln beim WC-Besuch. Ins Car-WC darf man NUR urinieren. Der Car faehrt aber 8h. Wenn du in der Zeit mal richtig musst, gibts nur die Option Immodium.
Aber goemer nid vo daem us. Meist darfst du ja, wie du willst. Wichtig ist einzig, dass du das WC-Papier nachher nicht ins WC wirfst, sondern in den appetitlichen Eimer neben dem WC.
Der Haken ist nur: Oft gibts gar kein WC-Papier. Oder wenn, dann ist es abgezaehlt (5 Papierli muessen reichen) und kostet einen Sole.
Ergo hab ich in diversen Hotels schon WC-Papier abgestaubt. Sorry!

3. Guias
Genau, Guide in der Mehrzahl. Buchst du einen kleinen Ausflug und kommt dich (mit der obligaten akademischen viertelstuendigen Verspaetung) jemand abholen, dann verpuff ja nicht all dein Spanisch, denn er wird dich wohl nur zum Taxi oder Bus geleiten und dich nachher wieder verlassen. Der Chauffeur ist auch nicht dein echter Guide. Der kommt erst, sobald du zum Taxi ausgestiegen bist - wobei, halt: Nein, der bringt dich nur sicher ueber die Strasse. Jetzt aber, das muss der Guide sein.
Ein netter junger Herr, Luis heisst er, spaziert mit uns an den Hafen - und verabschiedet sich beim Schiff.
Erst jetzt tritt der richtige Guide in Erscheinung.
(Ist natuerlich nicht immer so. Diesmal haben wir aemu ordentlich was fuer die peruanische Tourismuskasse getan.)

Und mit dieser kleinen Spende an Peru fahren wir morgen weiter nach Bolivien.
Stay tuned!

Freitag, 18. Juli 2014

Peru I

Auf vielseitigen Wunsch (gaeu Zeno :-) ), hier ein paar Beobachtungen, die wir in 2 Wochen Peru gesammelt haben:

1. Polizisten
In Peru werden die meisten Leute Lehrpersonen. Das freut uns beide sehr. Wirklich. Auf dem zweiten Platz der gewaehlten Berufe befinden sich KrankenpflegerInnen. Auch das kann ja nur vorteilhaft sein fuer uns. Auf dem dritten Platz - Trommelwirbel - finden sich die PolizistInnen. Die weibliche Spezies dieser Gattung sieht von hinten stets gleich aus (schwarzes Haarnetzli sei Dank).
Und wichtigstes Utensil dieser Berufsgattung: Eine Pfeife. Diese Pfeife wird eingesetzt, wann immer einen die Lust packt, und egal, ob sich der eigene Standort neben einer - notabene funktionierenden - Ampel befindet oder nicht.

2. Fussgaengerstreifen
Damit kommen wir gleich zu Punkt 2. Fussgaengerstreifen sind in Peru "decoracion" (ich zitiere einen Peruaner). Die Autos muessen nicht halten, tun das natuerlich auch nicht und somit ist jede Ueberquerung eigentlich ein versteckter Selbstmordversuch.

3. Plaza de Armas
Fast alle groesseren Staedte in Peru haben einen Hauptplatz, der "Plaza de Armas" genannt wird. Zur Zeit sind diese Plazas wegen dem Nationalfeiertag am 28. Juli sehr prunkvoll geschmueckt. Weniger prunkvoll sind die zigtausend Tauben, die leider leider von den Peruanern gefuettert werden und sich deshalb wohl exponentiell (!) vermehren.

4. Oeffentliche Paerke
Es gibt sie! Sogar in Peru! Sie sind aber eingezaeunt und werktags nur streunenden Hunden zugaenglich, die ihre mageren Koerper durch die Gitterstaebe zwaengen koennen... Schade!

5. Graue Haare
Peruaner (ich meine selbstverstaendlich auch die Frauen) haben kaum graue Haare. Die Frau auf dem Mercado meinte, dies laege an ihren gesunden Fruchtsaeften, die man an jeder Ecke trinken kann (uebrigens sehr lecker; seis mit Orangen oder mit Mandarinen oder mit Guaven oder mit Ananas oder mit Passionsfruechten...). Ob das stimmt? Fest steht aemu, dass sich die Peruaner die Haare NICHT faerben lassen (haben wir anhand eines Selbstversuchs im Coiffeurgeschaeft ueberprueft. Resultate ersparen wir euch. Kostenpunkt: 3.- fuer Samuel; 5.- fuer mich.)

6. Kurze Hosen
Heute Mittag in Arequipa stellen wir ploetzlich fest, dass wir fast die einzigen mit kurzen Hosen sind. Tut man das hier nicht? Die Frau im Lebensmittelgeschaeft findet: Doch doch; es sei halt einfach Winter und sowieso zu kalt... Bof. Nachts wirds zwar echt unglaublich kalt (vor allem in der Hoehe), aber tagsueber verbrennt die Sonne einem die Haut, sodass kaum LSF 50 ausreicht...

Soviel vorerst.
Wir wuenschen ein tolles Gurten- oder Gartenfestival - und allen anderen ein sonniges Wochenende!
¡Hasta luego!